Ein Ausflug in die Zauberwelt der griechischen Mythologie

„Die großen Mythen erzählen uns, was niemals war, doch immer ist.“ So widersprüchlich dieser Satz auch zunächst klingen mag, so viel Wahrheit steckt doch in ihm. Denn im Mythos werden die wichtigsten Erfahrungen der Menschen, ihre Schicksale und Weisheiten in abenteuerliche und aufregende Fantasiegeschichten gekleidet, mit denen sie Jung und Alt bis heute in ihren Bann ziehen. Dass die antiken Mythen keinesfalls langweilig, überholt oder gar verstaubt sind, sondern uns bis heute eine Menge zu sagen haben, durften die Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen des Simon-Marius-Gymnasiums in Gunzenhausen am vergangenen Dienstag, den 07.02.17, erleben. Auch in diesem Jahr kam Nico Jilka, der Leiter der Schauspielmanufaktur Nördlingen, in die Aula des Simon-Marius- Gymnasiums, um die Schüler in die zauberhafte Welt des Odysseus und seiner Gefährten zu entführen. Als der junge Schauspieler mit einem Vogelkäfig in der Hand und einer Tasche, gekleidet in Jeans und T-Shirt, die Bühne betreten und mit seinem Ein-Personen-Stück begonnen hatte, dauerte es nicht lange und man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so sehr zog er die Kinder in seinen Bann.

Seine Erzählung beginnt zunächst mit der Geschichte des Bauernjungen Rico aus einem italienischen Dorf, der eigentlich nur mit dem Zug in den nächsten Ort fahren möchte, um sich Kanarienvögel abzuholen, die ihm von seinem Freund versprochen wurden. Rico hört, während er auf den Zug nach Hause wartet, von einem alten Mann die spannende Geschichte der Odyssee des berühmten griechischen Dichters Homer. Er ist so fasziniert von der Erzählung, dass er seinen Zug verpasst und einen großen Umweg machen muss, wodurch seine Reise ebenfalls zu einer echten kleinen „Odyssee“ wird. Die Abenteuer des Odysseus und seiner Gefährten haben den Jungen derart gefesselt, dass er sie unbedingt den jungen Zuschauern in Gunzenhausen weitererzählen will. Er nimmt die Sechstklässler mit auf eine spannende Reise in die Welt der griechischen Helden und Fabelwesen, die durch Nico Jilka auf eindrucksvolle Weise zum Leben erwachen. So überlisten die Schüler gemeinsam mit Odysseus den einäugigen menschenfressenden Kyklopen Polyphem, passieren die Insel der wunderschön singenden, aber überaus gefährlichen Sirenen, begegnen der Zauberin Kirke, die Odysseus fast seine geliebte Penelope vergessen lässt, und erleben viele andere lustige wie spannende Abenteuer, die auf höchst unterhaltsame Weise erzählt werden. Eine Orange, ein Blecheimer, eine Flöte, eine Bank und drei Scheinwerfer … viel mehr Requisiten benötigt der Schauspieler nicht. Was er aber im Gepäck hat, ist eine Stimme, mit der er die Zauberin Kirke ebenso glaubwürdig wie unterhaltsam imitieren kann wie den behäbigen Riesen Polyphem. Außerdem ein schier endloses Repertoire an den unterschiedlichsten Gesichtsausdrücken, Körperhaltungen und Gesten. Und nicht zuletzt eine ungeheure Portion Humor und Fantasie sowie ein feines Gespür für die jungen Zuschauer in seinem Publikum, die er immer wieder in die Handlung miteinbezieht. So lassen die Sechstklässer das Echo in der Höhle des Riesen widerhallen, bringen Sirenentöne zum Klingen und helfen Odysseus fleißig beim Rudern zurück in seine Heimat Ithaka. Nicht weniger fasziniert als der Bauernjunge Rico wurden unsere Schüler von der großartigen Interpretation des homerischen Epos. Und so wurden diese nicht wie Rico von der Durchsage am Bahnhof, sondern durch den Pausengong wieder aus der Sagenwelt in ihren Schultag zurückgeholt. Zwar nehmen die Schülerinnen und Schüler keine Kanarienvögel, wohl aber die Erinnerung an einen wunderbaren Theatermorgen mit sich.

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